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vendredi, 18. août 2017

Santa Rosalía

Ein bisschen Frankreich in Baja California? Dann auf nach Santa Rosalía!

Das Städtchen am Kalifornischen Golf hat nicht nur französisches Erbe aufzuweisen, es verdankt seinen Aufstieg einer französischen Minen­gesellschaft namens El Boleo.

1868 wurde in der Gegend Kupfer entdeckt, in Form von kleinen blau­grünen Kugeln, boleos genannt. Diese weckten das Interesse des Hauses Rothschild. 1885 gründete man schnell die Firma El Boleo, erwarb die Minenrechte von Mexiko und startete den Abbau. Schnell war El Boleo nicht nur Arbeitgeber, sondern machte Santa Rosalía zu einem der wichtigsten Kupfer­produzenten der Welt. Die Firma grub 600 km Tunnel und importierte eine komplette Kupfer­schmelze von Europa. Kohle und Koks brachte man mit Segel­schiffen ebenfalls aus Europa, und für den Transport des Erzes wurden 30 km Schienen für eine Minen­eisenbahn verlegt. Als Arbeits­kräfte warb man Yaqui Indianer aus dem mexikanischen Bundes­staat Sonora und Asiaten aus Übersee an. Das geschmolzene Kupfer – rund 10.000 Tonnen pro Jahr – ging zum Raffinieren per Schiff nach Tacoma im US-Bundesstaat Washington. Von dort kamen die Schiffe mit Holz beladen zurück, das als Baumaterial sehr geschätzt war.

Bis 1954 lohnte der Abbau, dann erschöpften sich langsam die Kupfer­lager und das Land wurde den Mexikanern zurück­gegeben. Bis 1985 lief die Förderung noch weiter, dann aber wurden die Minen endgültig geschlossen. So verfallen die Fabrikanlagen langsam, bestimmen aber noch heute das Bild Santa Rosalías: der Schornstein und die Abraum­halden über der Stadt, die Schmelze und der alte Verlade­turm am Hafen. Einiges wurde zu Ausstellungs­stücken umfunktioniert, die Lokomotive etwa am Eingang zur Altstadt oder verschiedene Maschinen auf der Mesa francésca. Hier, in den etwas luftigeren Höhen hatten sich die Franzosen nieder­gelassen, während unten im heißen Tal die mexikanischen und ausländischen Arbeiter lebten. So findet man auf der Mesa noch schöne Beispiele französischer Architektur, wie die aus Holz gebauten Häuser mit umlaufender Veranda oder das Hotel Francés. 1886 gegründet und vollständig renoviert, bietet es 17 Räume mit Veranda, Swimming Pool und ein gutes Restaurant zu passablen Preisen an. Das auffallendste Bauwerk auf der mesa ist jedoch das frühere Verwaltungsgebäude der Minengesellschaft, heute ein Museum (Museo Histórico Minero). Für ein geringes Eintrittsgeld wird hier die Geschichte des Kupferbergbaus anschaulich dargestellt; man findet Werkzeuge, alte Fotos, die Original-Buchhaltung etc.

Santa Rosalías Altstadt ist schachbrett­förmig angelegt, von eigenem Charme mit Zeugnissen aus der Vergangenheit. Das bekannteste Bauwerk ist die Kirche Santa Barbara de Santa Rosalía. Sie hat eine interessante Geschichte. 1887 von Gustav Eiffel als Prototyp für französische Missions­kirchen in Übersee­gebieten entworfen, wurde sie 1889 auf der Welt­ausstellung in Paris ausgestellt und mit dem zweiten Preis prämiert. Nach kurzem Aufenthalt in Afrika fand sie ihren Platz zerlegt in einem Brüsseler Lagerhaus, wo sie ein Angestellter von El Boleo entdeckte und kaufte. Nach Mexiko verschifft, fand sie 1897 ihren Platz in Santa Rosalía. Außer den später zugefügten seitlichen Anbauten ist alles aus Eisen, das im trockenen Klima kaum rostet. Nicht weit entfernt von der Kirche liegt die ehemalige französische Bäckerei (Panadería El Boleo). Seit 1901 in Betrieb, hat sie nichts an ihrer Beliebtheit eingebüßt. Die Backöfen sind noch im Originalzustand, werden mit Mesquite-Holz befeuert, liefern heute allerdings eher mexikanische als französische Backwaren.

Die Schließung der Minen bedeutete für Santa Rosalía nicht den Niedergang – im Gegenteil. Heute atmen die 12.000 Einwohner saubere Luft, die Stadt mauserte sich zum Versorgungs­zentrum und wichtigen Zwischenhalt an der MEX-1 für den Verkehr durch die Baja.