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vendredi, 18. août 2017

Parachico – Fiesta Grande - Maskenmacher

 

Fiesta Grande

Señor de Esquipulas

Jedes Jahr im Januar findet in Chiapa de Corzo traditionell die „Fiesta Grande“ statt. In der Zeit vom 08. – 23. Januar verwandeln sich die Straßen, Gotteshäuser und privaten Hausaltäre in farbenprächtige und lebensfrohe Stätten. Die Feierlichkeiten gehen dabei oft über den 23. Januar hinaus – in jedem Fall immer bis zum darauffolgenden Sonntag.

Seit 2010 wird die Fiesta Grande von der UNESCO als immaterielles Kulturgut anerkannt.

Das Fest ist verschiedenen örtlichen katholischen Schutzheiligen gewidmet: unter anderem dem Nuestro Señor de Esquipulas (15. Januar), San Antonio Abad  (17. Januar) und San Sebastián Mártir (20. Januar).

Manche Historiker gehen jedoch davon aus, dass der Ursprung des Festes auf einen kleinen Jungen zurückzuführen ist. Der erkrankte Sohn der spanischen Doña Maria de Angula sei von einer lokalen Heilerin kuriert worden. Seine Eltern seien wegen seiner Genesung so dankbar gewesen, dass sie Tänzern Geschenke überreicht hätten mit den Worten: „para chico“ = für den Jungen. Zudem hätten sie dem Ort eine Feier und Lebensmittel spendiert, da zu jener Zeit eine ausgeprägte Dürre die Ernte teilweise zerstört hatte. Für diese These zum Ursprung des Festes sprechen auch die Holzmasken, die die Tänzer während der Feierlichkeiten tragen.

Alles in allem sind die Feiern jedoch eine Mischung aus  indigenen, spanischen und christlichen Zeremonien.

 

Parachicos

Neben Musik, religiösen Zeremonien und  kulinarischen Köstlichkeiten stehen die Tänze der Parachicos im Mittelpunkt des Geschehens bei der Fiesta Grande. Dabei werden sowohl die Tänze, als auch die Tänzer als Parachicos bezeichnet.

Bereits am Morgen beginnen die Tänzer mit ihren Vorbereitungen. Die Gewänder bestehen aus dunklen Hemden und meist glänzenden, reich verzierten Hosen; um den Kopf werden Tücher gelegt, die an arabische Wüstenvölker erinnern. Bunte Schals (Ponchos) und in der Regel aus Zinn gefertigte oder silbern bemalte Rasseln vervollständigen beinahe das Bild. Noch hinzu kommen die auffälligen beigebraunen, mit bunten Bändern geschmückten Kopfbedeckungen, die aus einer Faser der Agave oder Yucca (Ixtle oder Istle genannt) hergestellt und teilweise geflochten werden.

Am Wichtigsten jedoch sind die großen und schweren Holzmasken, deren Antlitz  junge Männer mit kaukasischen Merkmalen wie heller Haut, blauen Augen und Haaren im Gesicht darstellen – und damit im Kontrast zu dem Aussehen der Ureinwohner stehen. Es ist zu vermuten, dass die Tücher, die sich die Tänzer zuvor angezogen haben, dem Schutz dienen, denn Kopfbedeckung und Maske sind schwer, die Tage lang und die Tänze anstrengend.

So gekleidet ziehen die Parachicos tanzend und rasselnd zunächst in Kleingruppen durch die Straßen der Stadt, vorbei an festlich gekleideten Damen und anderen feiernden Einwohnern. Immer wieder halten sie an, um in Häuser und Höfe  einzukehren, wo sie an Hausaltären und Ikonen ihre Tänze ausdauernd aufführen. Sie huldigen so den Heiligen -  immer begleitet von den hohen Tönen der typischen Holzflöten.

Im Laufe der Wege treffen immer mehr Parachicos aufeinander und vermischen sich zu einer wogenden, dichtgedrängten,  rhythmisch rasselnden Menge, wo oft nur noch die beigebraunen Kopfbedeckungen zu sehen sind und ab und zu die Maske eines weißen jungen Mannes hervorsticht. Als große Parade ziehen sie so durch die Stadt und erhalten an den letzten Tagen der Feierlichkeiten ihre „Belohnung“. Zu Ehren des San Sebastian findet ein großes Mahl statt, wo die Parachicos getrocknetes Rindfleisch in eine Soße aus Kürbiskernen tunken und mit der Hand verspeisen.

 

Die Maskenmacher der Parachico

 Die Holzmasken der Parachicos sind etwas ganz Besonderes.

Dargestellt werden fast ausschließlich junge Männer mit heller Haut, großen blauen Augen und Haaren im Gesicht.  Die dargestellten Bärte entsprechen dabei oft dem Chin-Strap – einem Bart, der die Gesichtskonturen des Trägers vom Haaransatz über Wangen und Kinn  nachzieht und deutlich hervorhebt. Diese Bartart, bei der der Bereich um Nase und Mund haarfrei ist, vermittelt gemeinhin den Eindruck eines sanften und auch jungen Gesichts -  womit es einen Beleg darstellt zu der Annahme, dass die Feierlichkeiten der Fiesta Grande zu Ehren eines Jungen stattfinden. Teilweise kreieren die Maskenmacher aber auch Gesichter mit sehr männlichen und strengeren Konturen bis hin zum Vollbart. Auch haben die dargestellten jungen Männer oft ausgeprägte Augenbrauen, lange dichte Wimpern rings um die Augen und einzelne Schönheitsflecken an Wange und Kinn.

Die Herstellung der Masken, die von Generation zu Generation weitergegeben wird,  zieht sich über viele Wochen hin. Ohne den zusätzlich Zeit in Anspruch nehmenden Prozess der Auswahl des Holzes und dessen Trocknung brauchen die Künstler teilweise 6 Wochen, bis eine Maske fertig gestellt ist.

Oft werden mehrere Schichten an Farbe aufgetragen, um die gewünschte Optik zu erlangen.

Die Künstler sind stolz auf ihre Herkunft und ihre Fähigkeiten. Darf man ihnen bei ihrer Tätigkeit über die Schulter schauen, erzählen sie viele Geschichten und Überlieferungen rund um die Fiesta Grande und die Tänzer mit ihren jugendlichen, aus Holz gefertigten Antlitz.