Mexiko / Zentrales Mexiko / Jalisco
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Dienstag, 27. Juni 2017

Mariachis, Pferde & Tequila

Agavenfelder vor den Toren von Tequila
Agavenfelder vor den Toren von Tequila
Ein Jimador beim Agavenschneiden
Ein Jimador beim Agavenschneiden
Geschnittenes Agavenherz
Geschnittenes Agavenherz
Tequila in Fässern - Cuervo
Tequila in Fässern - Cuervo

Der Bundesstaat Jalisco ist sicher einer der interessan­testen Staaten Mexikos - nicht nur wegen seines berühmten Agaven­schnapses.

Die Geschichte des Ortes Mezcala am Lago Chapala reicht weit zurück bis in die Zeit noma­discher Jäger und Sammler, wobei es unklar ist, ob der Name von dem Getränk Mezcal herrührt oder eher aus der Bedeutung „Ort wo der Mond lebt" entstand. Das Dorf wurde erst spät vom Tourismus entdeckt und konnte so seine Ursprüng­lichkeit bewahren. Mit etwas Glück trifft man hier auf Mexikaner, die noch die Sprache der Ureinwohner, der Náhuatl, beherrschen. Mezcala entwickelte sich weder um die erst 1971 erbaute Kirche noch um den Dorf­platz, sondern entlang des See­ufers und der belebten Mole. Die Casa de la Cultura de Mezcala bietet bei einem kurzen Rund­gang einen spannenden Über­blick über die ver­schiedenen Epochen des Ortes; ausge­stellt werden Mammut­knochen, Pfeil­spitzen und Opfer­gefäße aus prä­histo­rischen Zeiten, Pistolen und Kanonen­kugeln aus der Kolonial­zeit sowie den Unab­hängig­keits­kämpfen neben traditio­nellen Trachten und aufwendig gearbeiteten Mantillas. Zugleich erhält man einen Einblick in die regionalen Fest­bräuche und Sitten.

Die Isla de Mezcala befindet sich an der tiefsten Stelle des Chapala-Sees, etwa fünf Kilo­meter süd­lich von Mezcala und hat eine wichtige und abwechs­lungs­reiche Rolle in der Geschichte Mexikos gespielt. Zu Anfang diente sie als Pilger­ort für Opfer­rituale. Die archäo­logischen Funde reichen mehr als 3000 Jahre zurück. Während der Unab­hängig­keits­kriege (1810-1821) war die Isla Schau­platz mehrerer Schlachten, die auf das Schicksal des Landes entschei­denden Einfluss hatten – heute zeugen hiervon nur noch die Reste einer alten Festungs­anlage mit Zug­brücke. Später wurde die Insel wegen ihrer abge­legenen Lage als Hoch­sicher­heits­gefängnis genutzt, und man nannte sie deshalb auch das Alcatraz Mexikos. Der zentrale Bau bestand aus zwei gemauerten Gewölben für ca. 100 Gefangene. Mit der Zeit geriet die Insel in Vergessen­heit, die Gebäude zerfielen weit­gehend, und die Bewohner nutzten das Land zum Anbau vor allem von Pflaumen und Stachel­gurken. Erst in den letzten Jahren haben sich unter­schiedliche Institu­tionen dafür engagiert, die histo­rischen Stätten zu restau­rieren, sie archäo­logisch zu unter­suchen und die Legenden der Isla del Presidio wieder aufer­stehen zu lassen.

Guadalajara, die zweitgrößte Stadt Mexikos, lädt immer zu einer Stadt­besichtigung ein. Das Cabañas-Hospiz wurde 1805 von Bischof Juan Ruiz de Cabañas gegründet, um Waisen­kindern und schutz­bedürftigen Menschen Unter­kunft zu geben. 1997 wurde es von der UNESCO zum Welt­kultur­erbe erklärt und beher­bergt heute das Kultur­zentrum Instituto Cultural de Cabañas Guadalajara. Bei dem Hospiz handelt es sich um das größte koloniale Gebäude ganz Amerikas, sein verschach­telter Bau zählt 23 Patios, die von einer Zentral­kuppel über­ragt werden. Die Wände und Gewölbe der ehemaligen Kapelle wurden 1938-39 von dem bedeutenden mexika­nischen Künstler José Clemente Orozco, dem Mit­begründer der zeit­genössischen mexika­nischen Malerei, im Stil des Muralismo gestaltet. Die Wand­gemälde gelten als Meister­werke mexika­nischer Kunst, darunter Szenen der spanischen Eroberung El Conquistador, das Fresko Hombre del Fuego sowie die vier Reiter der Apokalypse.

Den Mittelpunkt Guadalajaras bildet die zwischen 1541 und 1628 erbaute Kathe­drale. Sie wird von vier wunder­schönen Plazas umgeben. An der Portal­seite liegt die Plaza de los Laureles, ein Platz voll mit Schatten spendenden indischen Lorbeer­bäumen. Vor allem Jugend­liche treffen sich hier gerne. Ebenso an der Kathe­drale liegt die Plaza de Armas, auf der sich der bekannte viktoria­nische Pavillon befindet. Die Rotonda de los Hombres Ilustres präsen­tiert eine wunderbar gepflegte Grün­anlage mit lebens­großen Bronze­statuen der Ehren­bürger Guadalajaras. Hinter der Kathe­drale dann der vierte Platz, die Plaza de la Liberación mit einem kolonialen Brunnen, begrenzt von dem bemerkens­werten Teatro Degollado. Es ist wunder­schön, nach einem Besuch der Kathe­drale über die unter­schied­lichen Plazas zu flanieren und den Abend hier ausklingen zu lassen.

Haben Sie schon einmal von dem Tequila-Express gehört? Die Zugfahrt mit dem Sonderzug von FerroMex steht ganz im Zeichen des hoch­prozentigen mexika­nischen National­getränkes – des Tequilas. Dazu müssen Sie recht­zeitig zur Abfahrt im Bahnhof von Guada­lajara sein. Schon im Warte­saal spüren Sie die ausge­lassene Stimmung ihrer meist mexika­nischen Mitreisenden, die aus dem ganzen Land für diesen Samstag extra nach Jalisco angereist sind.

Die Zugstrecke führt von Guada­lajara gen Westen direkt zu den weit­läufigen Agaven­feldern. Während außer­halb des Zuges die einzig­artige Kultur-Land­schaft vorbei­zieht, spielt in den Wagons eine Mariachi-Gruppe auf und sorgt für gute Stimmung. Natür­lich gibt es auch Snacks und Tequila nach Herzens­lust! In Amatitlán angekommen, werden Sie auf die Agaven­felder der Firma José Cuervo am Fuße des Vulkans Tequila gebracht. Hier wartet bereits ein Jimador, der die hohe Kunst des Agaven­schneidens demonstriert; oft wird das Wissen um das Stutzen (in den ersten Lebens­jahren der Agave) und das end­gültige Abernten der Agaven vom Vater an den Sohn weiter­gegeben. Bis die Agaven­herzen geerntet werden können, vergehen mindestens acht Jahre. Vor Ort zeigt der Jimador in einzelnen Schritten, welche unter­schied­lichen Schnitt­formen es bei der blauen Agave (Agave tequilana Weber) gibt. Eine Frucht wird sogar extra geerntet - die spitzen Agaven-Blätter werden komplett abge­schnitten und der einer riesigen Ananas gleichende Kern mit einem Gewicht von bis zu 45 kg freigelegt.

Weiter geht es in die Stadt Tequila. Hier besuchen Sie die Casa José Cuervo und erleben nach einem kurzen Rund­gang durch die histo­rischen Produktions­anlagen eine Tequila-Ver­kostung der Extra­klasse in den Gewölbe­kellern der ältesten Tequilería Mexikos. Lernen und genießen Sie alles über das feine Agaven-Destillat. Wie altert Tequila, wie wird er gelagert? Wie öffnet man den Gaumen für den Geschmack des Destillates und wie vermeiden Sie die Schärfe des harten Alkohols? Wann sollte man Tequila trinken, womit und wie trinkt man ihn am Besten? Vielleicht schöpfen Sie ja auch Ihren Schluck des gereiften Añejos selbst aus dem kleinen wert­vollen Fass am Kopf­ende des langen Eichen­tisches. Wer traut sich?

Anschließend fahren Sie zurück nach Amatitlán und besuchen die moderne Produktions­anlage der Tequilería Herradura. Hier sehen und erleben Sie wie die Agaven­herzen gekocht, gemahlen und vergoren werden. Nach dem Besuch des interes­santen Museums der Anlage schließen Sie wieder mit der Zug­gruppe auf. Genießen Sie die Fiesta Mexicana mit Mariachis, gutem Essen und den fröhlichen Mexikanern. Am Abend Fahrt zurück nach Guada­lajara mit dem Tequila Express.

Eine noch touristisch unent­deckte archäo­logische Zone wartet vor den Toren von Guada­lajara auf den interes­sierten Besucher – Los Guachi­montones. Die prä­kolum­bischen Ausgra­bungen erstrecken sich über ca. 19 ha und bestehen aus zehn monumentalen kreis­förmigen Stufen­pyramiden, zwei großen Arenen für das Ballspiel, recht­eckigen Plätzen, Wohn­einheiten und land­wirt­schaft­lichen Terrassen. Die Pyramiden sind wegen ihrer in vier konzen­trischen Kreisen angelegten Bau­weise besonders sehens­wert. Zurzeit geht man davon aus, dass die Anlage dem Gott des Windes Ehécatl geweiht war. Die Geschichte dieser Region reicht bis ca. 1000 Jahre v. Chr. zurück, als sich eine indianische Zivili­sation entwickelte, der man den Namen Tradición Teuchitlán gegeben hat. Diese Kultur, die Einfluss auf ein großes Gebiet nahm, hatte ihre Blüte­zeit ungefähr 200 Jahre n. Chr. und ihren Nieder­gang bereits im 9. Jahr­hundert. Danach beherr­schten verschiedene Volks­gruppen diese Land­schaft, bis sie ab 1524 von den Spaniern unter Cortés und Guzmán erobert wurde. In der folgenden Kolonial­zeit entstanden land­reiche Haciendas und Ranchos, und erst 1837 wurde die Umgebung von Teuchitlán als eigen­ständige Gemeinde anerkannt.

Oder genießen Sie doch eine Charreria in Guada­lajara. Die Charrerias haben ihren Ursprung in den Wett­bewerben der mexika­nischen Cowboys, der Vieh­hüter, Vaqueros genannt. Sie demonstrierten die klassischen Arbeits­vorgänge auf den Haciendas und führten ihre Reit­kunst vor, la charrería. Wenn man noch weiter in der Geschichte zurück­gehen möchte, fing genau­genommen alles mit Hernán Cortés an, denn er brachte die ersten Pferde nach Mexiko, mit 16 berittenen Soldaten ging er damals an Land. Als auf einer Expedi­tion nach Honduras eines der Pferde starb, drückten die Mayas ihren großen Respekt vor dem Pferd aus, indem sie den Kadaver zur Gottheit ernannten. Damals waren alle Spanier einer Kolonie verpflichtet, sich ein Pferd zu halten. Den Indígenas war es dagegen per könig­lichem Dekret von 1528 sogar unter Todes­strafe verboten, sich überhaupt auch nur auf ein Pferd zu setzen. Als man später bei der Vieh­zucht auf die Hilfe der Indianer angewiesen war, wurde dieser Erlass aufgehoben. Das Pferd stand damals sehr im Mittel­punkt, ob bei der Arbeit oder beim Sport. Die mexika­nischen Reiter entwickelten eine Technik, um über die wilden Bullen Herr zu werden. Dabei packen die Reiter den Bullen am Schwanz, auch colear bzw. coleada genannt. Zunächst wird die Herde zusammen­getrieben, dann werden im fliegenden Galopp einzelne Tiere ausge­sondert, indem man sie am Schwanz fasst, diesen unter dem rechten Hinter­bein durchzieht und um den Sattel­knauf windet. Dann machen sie mit dem Pferd eine plötz­liche Kehrt­wendung um 180 Grad, so dass der Bulle stürzt. Aber auch in den mexika­nischen Kriegen haben die Charros ihre Geschichte, sie bildeten damals die Kavallerie. In der Schlacht von Alamo jagten sie die Texaner mit Hilfe ihrer Lassos. Als sie gegen die Franzosen kämpften, nutzten sie ihre Fertig­keiten, indem sie mit den Lassos die Kanonen­rohre aus der Schuss­richtung rissen.

Die Charreria heute ist ein folklo­ristisches Ereignis mit viel Tanz und Gesang, das man nicht versäumen sollte. Rassige Pferde, die Charros in ihren typischen Trachten, wunder­hübsche Adelitas – die weib­lichen Charros - und viel Musik, eine Fiesta par excellence und für viele Mexikaner der einzig wirkliche National­sport. Auf dem Palenque, wie sich die Wett­kampf­arena auch nennt, werden die verschie­densten Dressur- und Lasso­künste präsentiert; hierbei stehen rivali­sierende Gruppen im Wett­bewerb zueinander. Wir haben für Sie einen rustikalen Logen­platz reserviert und beobachten das faszi­nierende Treiben aus sicherer Entfernung. Der cola de caballo ist der erste Wett­bewerb, wobei der Reiter demonstrieren muss, dass er sein Pferd voll­ständig beherrscht. Dabei galoppiert er auf ein weiß markiertes Vier­eck zu, in dem er sein Pferd in Sekunden­schnelle zum Stehen bringen muss. Dann dreht es sich im Kreis, einmal rechts und einmal links, wobei es das Recht­eck nicht verlassen darf. Schließ­lich wird es im Rückwärts­gang hinaus­geführt. Wilde Stiere werden gebändigt und ungerittene Pferde gezähmt, das nennt man die jineteos. Beim Todes­schritt, dem paso de la muerte springen die Reiter in vollem Galopp von ihrem Pferd auf den Rücken eines ungezähmten Pferdes. Bei der mangana werden die Pferde mit dem Lasso einge­fangen. Es gibt ebenso Wett­bewerbe für Frauen – escaramuza charra – bei denen sich Adelitas sehr gekonnt im Damen­sattel präsentieren. Vielleicht haben wir Glück und erleben am Ende der Vor­stellung sogar noch den jarabe tapatío, den berühmten Volks­tanz Jaliscos.

Auch in Jalisco wird Kunsthand­werk groß geschrieben. In Tlaquepaque, einem bekannten Stadt­teil Guada­lajaras, finden Sie wie auf einem großen Markt alle traditio­nellen mexika­nischen Hand­arbeiten dicht an dicht in den male­rischen Geschäften der Klein­stadt. Schlendern Sie durch die hübsche Fuß­gänger­zone oder werfen Sie einen Blick in die roman­tischen Patios. Wie wäre es mit einem erfrischenden Getränk im Patio Café?